

Forstunternehmen/forstwirtschaftliche Lohnunternehmen sind mittelständische
Dienstleistungsbetriebe, die Arbeiten für die Forst- und Holzwirtschaft,
in der Landschaftspflege, im Naturschutz, sowie in Pflege- und Erhaltung
privater und kommunaler Grundstücke ausführen.
Sehr missverständlich ist z. B. die Bezeichnung Forstbetrieb, darunter wird
i. d. R. ein Betrieb mit Waldbesitz verstanden und kein Dienstleistungsgewerbebetrieb.
Ein fälschlich als Forstbetrieb bezeichnetes Forstunternehmen hat eine eine
nicht korrekte Branchenzuordnung zur Folge!
Neuerdings wird immer häufiger die Bezeichnung „Forstunternehmen“ benutzt weil die etwas irreführende, aber traditionelle Berufsbezeichnung „forstwirtschaftlicher Lohnunternehmer“ als nicht mehr zeitgemäß angesehen wird und das breite Spektrum der Tätigkeiten nicht ausreichend abgedeckt würde. Traditionsbewusste Betriebe und die norddeutschen Berufsverbände bleiben bei der alten Bezeichnung, gleichwohl gibt es kein Dogma für den einen oder anderen Namen, es handelt sich um den selben Beruf. Da es diesen bis heute nicht als Ausbildungsberuf gibt, begründet sich der Berufsstand auf die so genannten „grünen“ Berufe, das ländliche Handwerk und seit einigen Jahren immer stärker auf die forstliche Ausbildung, über den gelernten Forstwirt bis hin zu Absolventen von Fachhochschulen und Universitäten.
Die Tätigkeitsbereiche des Forstunternehmers haben sich in den letzten Jahren im besonderem Maße auf Grund der technischen und gesellschaftlichen Entwicklung stark verändert. Fachliches Können, geistige Beweglichkeit, unternehmerische Entscheidungsfähigkeit und nicht zuletzt Erfindungsreichtum zur Bewältigung der geforderten Aufgaben prägen das Bild dieses Unternehmertyps, der sich für den ländlichen Raum und die heimische Forstwirtschaft in den letzten dreißig Jahren zum unentbehrlichen Helfer entwickelt hat. Aufgabenbedingt muss der Forstunternehmer und seine qualifizierten Mitarbeiter Verhaltensweisen beherrschen, um sich mit seinen Tätigkeiten in Landschaft und Wald in einer kritischen und urbanen Gesellschaft Verständnis und Achtung zu erwerben. Weiter wird der verantwortungsvolle Unternehmer im Rahmen seiner gesellschaftlichen Bindungen in politischen und berufsständischen Verbänden und Institutionen tätig. In verschiedenen Bereichen wird er sich für Kooperation und Partnerschaften mit gleichgelagerten Betrieben oder Auftraggebern öffnen müssen.
Der Forstunternehmer bietet Dienstleistungen und Problemlösungen für die heimische Forstwirtschaft und den ländlichen Raum an. Um für seine Auftraggeber kostensenkend und gewinnbringend tätig zu werden, analysiert, plant, organisiert und kalkuliert er seine Angebote. Um die Existenz und Entwicklung seines Unternehmens zu sichern, sind kaufmännische, betriebs- und volkswirtschaftliche, sowie Holzmarktkenntnisse notwendig. Der Forstunternehmer plant mit der Auftraggeberseite Art, Zeitpunkt und Durchführung der anstehenden, sehr vielschichtigen Arbeiten.
Er führt Arbeiten in folgenden Tätigkeitsfeldern selbständig, wirtschaftlich, fachgerecht und rationell bei sachgerechtem Einsatz von Betriebsmitteln aus:
(nach Michael Sachse, Roland Westhofen, Bernd Richter, H.-J. Narjes)
Aus diesen Aufgabenfeldern heraus hat der Forstunternehmer seine mittel- und langfristigen Investitionsentscheidungen zu fällen und deren Finanzierung zu entwickeln.
Die Kontrolle, der Funktionsfähigkeit und die Werterhaltung des teilweise
sehr teuren Maschinenparks gehört zu den vorrangigen Pflichten des Forstunternehmers
und seiner Mitarbeiter. Die sich teilweise rasant entwickelnde technischen
Neuerungen und die hohen Anforderungen der Auftraggeber, hat er in verantwortungsvolle
Weise abzuwägen und zu realisieren.
Um die eigene Selbständigkeit zu wahren, ist ein hohes Maß an Verantwortung
und Können die Voraussetzung gegenüber Berufsstand und Gesellschaft. Daher
muss die eigene Preisgestaltung in verantwortlicher Weise geschehen. Facharbeit
und ein umweltschonender, leistungsfähiger Maschinenpark haben ihren Preis,
der oft nicht mit dem sogenannten „Markpreis“ übereinstimmen kann. Die soziale
Verantwortung gegenüber Familie, Mitarbeiter und Gesellschaft darf nicht
durch eine leichtfertige Preispolitik gefährdet werden.
Die Tätigkeit des Forstunternehmers ist bei ethischen und konservativen Wertvorstellungen in die heimatliche Region unserer Wälder und Landschaften eingebunden. Das Leitbild ist der bodenständige, zuverlässige, revierkundige und leistungsfähige Forstunternehmer mit seinen vielfältigen Bindungen zu den Menschen und den Institutionen seiner Heimat.
Darüber hinaus haben sich die Forstunternehmer in hervorragender Weise
bei der Bewältigung der Folgen von Kalamitäten und Naturkatastrophen bewährt,
auch über die Grenzen des eigenen Wirkungskreises hinaus.
So vielschichtig die Tätigkeitsbereiche sind, so vielfältig sind die Betriebsstrukturen.
Diese spannen sich vom Ein-Mann-Rückeunternehmen bis hin zu Betrieben mit
bis zu fünfzig Mitarbeitern und einem breit gefächertem Arbeitsangebot.
Sogenannte Consultingunternehmen und Servicegesellschaften großer Waldbesitzer oder der Holzindustrie werden allerdings dem Berufsstand der Forstunternehmer nicht zugeordnet. Ebenfalls nicht, die gelegentlich Forstarbeit ausführende Mitglieder von Maschinenringen, Regiearbeitskräfte mit forstlichen Nebenjobs oder Firmen, die ausländische Arbeitskräfte verleihen oder einsetzen; von Gelegenheitsarbeitern mit einer Motorsäge im Kofferraum ganz zu schweigen.
Der deutsche Forstunternehmer hat sein Gewerbe ordnungsgemäß gemeldet,
ist Mitglied einer landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft, hat einen
forstlichen oder zumindest verwandten Beruf erlernt und verfügt über die
einschlägige, praktische Erfahrung.
Er nutzt die angebotenen Informations- und Fortbildungsmöglichkeiten und
sollte selbstverständlich Mitglied eines forstlich orientierten Berufsverbandes
sein.
Hans-Jürgen Narjes

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